Tag: Einbürgerung

Mein Einbürgerungverfahren in Basel - Teil 3: Telefonisches Erhebungsgespräch

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Dieser Artikel ist Teil einer Artikelreihe:
  1. Intro
  2. Vorbereitung und Gesuchsstellung
  3. Telefonisches Erhebungsgespräch

Achtung: Die Informationen in diesem Artikel beziehen sich auf das Verfahren im Kanton Basel-Stadt, die Verfahren in anderen Kantonen weichen z.T. stark ab.

Letzte Woche hatte ich von Migrationsamt Basel-Stadt einen Brief erhalten, mit der Bitte, mich telefonisch beim Migrationsamt zu melden, da noch ein paar offene Fragen bestünden.

Telefonisches Erhebungsgespräch

Gestern rief ich bei der Sachbearbeiterin meines Einbürgerungsgesuchs an. Dabei erfuhr ich auch, dass es sich bei diesem Telefonat um das angekündigte «Erhebungsgespräch» handelte.

Die meisten Fragen, die mir im Lauf des Gesprächs gestellt wurden, bezogen sich auf meine Angaben, die ich auf den eingereichten Formularen gemacht hatte. Darunter waren aber auch einige Fragen, die mir eher seltsam und übertrieben vorkamen. Zum Beispiel musste ich angeben, in welchem Stockwerk meine Wohnung liegt, und wie viele Zimmer sie hat. Auch nach den Berufen und Staatsangehörigen meiner Familienangehörigen wurde gefragt.

Zusätzlich wurde ich noch darum gebeten, einen Lebenslauf einzusenden. Dies hatte mich ebenfalls etwas verwirrt, da ich bereits in den Gesuchsformularen deutlich mehr Angaben machen musste, als in einem normalen Lebenslauf üblich sind. Auf meine Rückfrage hin wurde mir jedoch versichert, dass tatsächlich ein normaler Lebenslauf gefragt war, wie er bei einer Stellenbewerbung üblich ist.

Befragung von Referenzpersonen

Am Nachmittag nach dem Erhebungsgespräch erzählte mir dann noch mein Chef, den ich auf dem Einbürgerungsgesuch als Referenzperson angegeben hatte, dass er kurz nach dem Gespräch vom Migrationsamt angerufen wurde. Ihm wurden ebenfalls einige Fragen gestellt, darunter ob:

  • er es befürwortet, dass ich eingebürgert werde
  • ich gut in der Schweiz integriert bin
  • ich Kontakt zu Schweizer Bürgerinnen und Bürgern pflege
  • ich mit lokalem Brauchtum vertraut bin

Das Lange Warten, 2.0

Nun ist wieder warten angesagt. Der nächste Schritt in meinem Einbürgerungsverfahren, das Einbürgerungsgespräch bei der Bürgergemeinde Basel, wird anscheinend erst in mindestens 6 Monaten stattfinden. Davor werde ich noch einen Einbürgerungskurs besuchen, der ebenfalls von der Bürgergemeinde veranstaltet wird.

Mein Einbürgerungverfahren in Basel - Teil 2: Vorbereitung und Gesuchsstellung

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  2. Vorbereitung und Gesuchsstellung
  3. Telefonisches Erhebungsgespräch

Achtung: Die Informationen in diesem Artikel beziehen sich auf das Verfahren im Kanton Basel-Stadt, die Verfahren in anderen Kantonen weichen z.T. stark ab.

Normalerweise muss man sich vor der Einreichung des Einbürgerungsgesuchs vom Migrationsamt beraten lassen. Pandemiebedingt ist die Beratung momentan aber nur telefonisch oder via E-Mail möglich.

Beratung via E-Mail

Einen Grossteil der Informationen zur Einbürgerung lässt sich online finden. Eines der wichtigsten Dokumente - die Checkliste, welche Dokumente überhaupt einzureichen sind - wird aber nur bei der Beratung ausgehändigt.

In meinem Fall hatte sich die Beratung auf einen kurzen E-Mail-Austausch beschränkt: Ich habe meine Situation geschildert und ein paar Fragen zu den Online-Informationen gestellt, und hatte schon am nächsten Tag eine Antwort in der Inbox, mit der Checkliste im Anhang. Soweit, so gut. Allerdings fände ich es durchaus begrüssenswert, wenn die Checkliste online verfügbar wäre, allein nur schon deswegen, damit man den Aufwand für das Zusammentragen der Dokumente im Voraus abschätzen kann.

Die Checkliste ist sehr umfangreich. Neben der Checkliste selbst sind unter anderem folgende Dokumente einzureichen:

  • Das Gesuchsformular, in dem man Angaben zur Person, Wohnsitzfristen etc. macht
  • Kopien von Ausweisen und Aufenthaltstiteln
  • Wohnsitzbestätigungen, Betreibungsregisterauszüge und Steuerausweise von ehemaligen Wohnkantonen (in meinem Fall der Kanton Aargau)
  • Ein Registerauszug vom Zivilstandsamt, mehr dazu weiter unten
  • Nachweise über Berufstätigkeit, Ausbildung o.Ä.
  • Ein Sprachnachweis, wobei in meinem Fall die Selbstdeklaration genügt, deutsch als Muttersprache zu sprechen
  • Ein Formular über die Erfüllung der Einbürgerungsvoraussetzungen

Zusammenstellung der Dokumente

Die meisten Dokumente sind schnell zusammengetragen: Wohnsitzbestätigungen und Betreibungsregisterauszüge lassen sich bei den meisten Gemeinden online bestellen. Ausweiskopien, Arbeitgeberbestätigung und Ausbildungsnachweis sind ebenfalls schnell parat. Der Steuerausweis kann gemäss Information auf der Checkliste erst nach Erhalt des Zivilstands-Registersauszugs bestellt werden.

Das Gesuchsformular und Formular über die Einbürgerungsvoraussetzungen sind ziemlich umfangreich, man muss unter anderem Angaben machen zu:

  • Ehemaligen Wohnsitze innerhalb und ausserhalb der Schweiz
  • Die Ausbildungs- und Schullaufbahn zurück bis zum Kindergarten
  • Art der finanziellen Absicherung (Berufstätigkeit, Rente, etc.)
  • Vorstrafen, Gerichtsverfahren und/oder unbeglichen Schulden
  • Teilnahme am sozialen Leben (z.B. Vereine, Hobbies)
  • Art der Kontakte zu Schweizer Bürgern:innen

Zudem muss man 4 Referenzpersonen angeben, die - mit Ausnahme von Vorgesetzten oder Lehrpersonen - das schweizer Bürgerrecht haben müssen.

Besuch auf dem Zivilstandsamt

Der Registerauszug des Zivilstandsamts muss auch trotz Pandemie persönlich vor Ort bestellt werden.

Mein erster Besuch auf dem Zivilstandsamt ging ziemlich schnell und war ziemlich informativ: Um den Auszug bestellen zu können, muss ich erst noch ein paar Dokumente einreichen... Das meiste davon hatte ich schon parat, allerdings musste ich noch eine aktuelle Geburtsurkunde von meinem Geburtsort in Deutschland bestellen. Die Sachbearbeiterin gab mir noch eine Checkliste mit, und damit war das Gespräch auch schon erledigt. Zudem hatte sie mir noch den Tipp gegeben, mit dem Bestellen von anderen Dokumenten wie Wohnsitzbestätigungen abzuwarten, da die Eintragung im Zivilstandsregister und anschliessende Erstellung des Auszugs einige Wochen dauern könne.

Nach einigen Tagen hatte ich die Geburtsurkunde im Briefkasten, und bin zum zweiten Mal aufs Zivilstandsamt, dieses mal ausgestattet mit allen benötigten Dokumenten und den Gebühren in bar.

Einreichung des Gesuchs

5 Wochen nach der Bestellung auf dem Zivilstandsamt wurde ich nochmal via E-Mail eingeladen, um die erfassten Daten nochmal zu bestätigen und den Registerauszug abzuholen. Danach musste ich noch den Steuerausweis beim Finanzdepartement des Kantons bestellen, dieser war trotz Bestellung auf dem Postweg aber bereits 2 Tage später im Briefkasten.

Nun hatte ich endlich alle Unterlagen zusammengetragen, und habe das Einbürgerungsgesuch via Post ans Migrationsamt geschickt. Seit der ersten Beratung hat es fast 10 Wochen gedauert, um die benötigten Dokumente zu besorgen. Aber das lange Warten beginnt erst jetzt...

Mein Einbürgerungverfahren in Basel - Teil 1: Intro

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  3. Telefonisches Erhebungsgespräch

Letzte Woche habe ich mein Einbürgerungsgesuch beim Migrationsamt in Basel eingereicht. Damit beginnt für mich das langwierige (1.5-2 Jahre) Einbürgerungsverfahen, über das ich hier im Blog berichten werde, da ich bisher kaum ausführliche Erfahrungsberichte im Internet finden konnte, und quasi gar keine aus Basel.

Hintergrund

Ich lebe seit 10 Jahren in der Schweiz, bin aber in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger. In Basel lebe ich seit zwei Jahren, vorher habe ich im Kanton Aargau (zwischen Basel und Zürich) gelebt.

Als Ausländer mit einer Niederlassungsbewilligung habe ich weitestgehend die gleichen Rechte wie Schweizer Staatsbürger, darf aber z.B. nicht an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Mit der Einbürgerung entfallen diese Restriktionen, dafür kommen aber auch neue Verpflichtungen dazu.

Der Theorie-Teil

Das Bürgerrecht in der Schweiz gliedert sich in drei Teile:

  • Das Staatsbürgerrecht der Schweiz
  • Das Kantonsbürgerrecht eines Kantons
  • Das Gemeindebürgerrecht einer Gemeinde

Den Kantons- und Gemeindebürgerrechten kommt heutzutage nur noch wenig praktische Bedeutung zu, trotzdem können alle drei Rechte nur gemeinsam erlangt werden. Entsprechend aufwändig ist das Einbürgerungsverfahren, da es sowohl vom Kanton, der Gemeinde und dem Bund bearbeitet wird, und jede Ebene eigene Voraussetzungen für die Erteilung des ihres jeweiligen Bürgerrechts festlegt.

Dementsprechend bezieht sich mein Einbürgerungsgesuch auf das

  • Schweizer Staatsbürgerrecht
  • Kantonsbürgerrecht des Kantons Basel-Stadt
  • Gemeindebürgerrecht der Stadt Basel

Die eben erwähnten Anforderungen sind zum Beispiel:

  • Für das Staatsbürgerrecht muss man min. 10 Jahre in der Schweiz gelebt haben und min. eine der Landessprachen sprechen. Zudem muss man darlegen, dass man finanziell abgesichert ist, keine Sozialhilfe bezieht und keine Steuerschulden hat.
  • Der Kanton Basel-Stadt verlangt den Wonsitz im Kanton während der letzten 2 Jahre, und spezifiziert, dass man deutsch sprechen können muss.
  • Die Bürgergemeinde der Stadt Basel prüft, ob die Gesuchsstellenden in der Schweiz und im Kanton integriert sind, und führt ein entsprechendes Einbürgerungsgespräch.

Im Gegensatz zu diversen anderen Kantonen gibt es in Basel-Stadt keinen schriftlichen Einbürgerungstest, stattdessen werden entsprechende Kenntnisse im Einbürgerungsgespräch der Bürgergemeinde abgefragt.